Kunstverein Baden

Der Kunstverein Baden versteht sich als Ort der Präsentation zeitgenössischer Kunst und ist zudem einer kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen verpflichtet. Als experimentelles Spielfeld wirkt der Kunstverein aktiv bei der Erhaltung des Badener Kulturkreises mit und beteiligt sich dabei wesentlich an der Vermittlung, Förderung und Erweiterung des lokalen Kunstverständnisses.

GRUPPENAUSSTELLUNG „DAS ZITTERN DER TEILE“ (VON 18.00 BIS 22.00 UHR)

Die von Samuel Schaab kuratierte Gruppenausstellung „Das Zittern der Teile“ beschäftigt sich mit dem Material, aus dem jene Dinge bestehen, die unsere Welt ausmachen – vom Sandkorn bis zum iPhone, vom Erdöl bis zum Joghurtbecher. Als unüberschaubare Menge von Partikeln, Teilen und Rohstoffen zirkulieren sie in einem ständigen Prozess zwischen Zusammensetzung und Auflösung rund um den Globus. Ein Schwarm von Objekten, der sich auf jede nur erdenkliche Weise bewegt und ablagert: Er sammelt sich in Frachtflugzeugen und Lkw-Konvois, wird in die Erde gepumpt, vom Feuer verzehrt und reist als Mikropartikel durch Wind und Meer, durch Tiere und Menschen.

Ein leuchtend blau-grünes Hybrid aus Gestein und Plastik wurde auf der Insel Trindade von der brasilianischen Geologin Fernanda Avelar Santos entdeckt. Früher oder später schleicht sich dieser Schwarm fehlgeleiteter Partikel ungebeten zurück in die Körper von unterschiedlichsten Lebewesen. So entstehen gewaltige Kreisläufe, die alles beeinflussen, was ihnen begegnet – eine systemisch veränderte „Natur“, die mit ihrer schwer fassbaren Kraft chamäleonartig in immer neuen, unvorhersehbaren Formen auftaucht: mal als Great Garbage Patch, mal als Granulat, dann wieder als Kleidung, Skulptur oder als bloße Unkenntlichkeit.

Die teilnehmenden Künstler:innen durchqueren dieses Meer aus Rohstoffen, Objekten und Partikeln mit ihren skulpturalen Arrangements. Im Rahmen der „ORF-Lange Nacht der Museen“ werden die einzelnen Objekte performativ aktiviert.

CHRISTINA WERNER: „THE HORSES ARE COMING“ (VON 18.00 BIS 22.00 UHR)

In „The Horses Are Coming“ rückt Christina Werner die Tiersymbolik als zentrale Bild- und Inszenierungsstrategie des Nationalsozialismus in den Blick: Adler, Löwen, Pferde oder Schäferhunde fungierten im Dritten Reich als Sinnbilder von Stärke, Reinheit und Ordnung – Codes, die auch heute noch wirksam sind: Wenn Viktor Orbán 2022 Österreich zwei Pferde als „Zeichen der Freundschaft“ schenkt oder Herbert Kickl die Lancierung einer berittenen Polizei fordert, wird deutlich, wie Tiermotive weiterhin als strategische Zeichen in rechten und autoritären Narrativen eingesetzt werden.

Die Arbeit nutzt die Technik der Collage, um durch Fragmentierung und Neuordnung historischer Bildquellen ideologische Codes sichtbar zu machen. Damit steht sie in der Tradition politischer Kunst, etwa der Fotomontagen von John Heartfield, der in den 1930er-Jahren visuell gegen den Aufstieg des Faschismus arbeitete.

(Auszug aus dem Text von Nike Bekemeier, Kuratorische Assistenz / Westlicht Wien)