esc medien kunst labor

Das esc medien kunst labor produziert Kunstprojekte, die sich mit neuen Technologien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft beschäftigen.

Öffnungszeiten / steirischer herbst:
29.9.–18.10.2020: Dienstag bis Freitag 11–17 Uhr
20.10.–20.11.2020: Dienstag bis Freitag 14–17 Uhr und nach Vereinbarung

Wenn Sie sich per E-Mail (esc@mur.at) oder per Telefon (+43 316 / 83 60 00) anmelden, bleibt während Ihres Termins der Ausstellungsraum für andere Besucher/innen geschlossen.

Eintritt frei.

Ausstellung „Cyborg Synthesis“

„Wir sind die Borg! Deaktivieren Sie Ihre Schutzschilde und ergeben Sie sich. Wir werden Ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzufügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen. Widerstand ist zwecklos!“ (Das Borg-Kollektiv in „Star Trek: First Contact“, 1996)
Neue Technologien durchdringen unseren Alltag und schreiben sich in nahezu alle Lebensbereiche ein. Wir leben in einer Welt, die von Geräten und Anwendungen kontrolliert, gesteuert und zunehmend auch konstruiert wird. Kontrolle und Zensur werden durch eigenes Zutun in unsere Aktivitäten integriert, indem wir größtenteils kritiklos Hard- und Software nutzen. Umgeben von App-gesteuerten Geräten wie Smartphones, Smartwatches, Fitnessarmbändern, Fernsehern, Kühlschränken, Sicherheitssystemen, smarten Barbiepuppen etc., die über das Internet verbunden kommunizieren, leben wir in Smart Homes in Smart Cities. Dabei werden Daten gesammelt, die Systeme füttern, die uns bewerten und über die Vergabe von Versicherungsprämien, Krediten, Wohnungen, Stellen am Arbeitsmarkt etc. entscheiden. Alles wird codierbar, alles wird berechenbar und damit verwert- und steuerbar gemacht. Aber wo bleibt, wie Frieder Nake formuliert, das Recht, als Mensch unberechenbar zu sein? Zum ersten Mal in der Geschichte ermöglichen wir KI-betriebenen Technologien, „eigenständig“ zu handeln. Technische Geräte werden damit zu „Subjekten“, die dabei rücksichtslos in unsere Privatsphäre vordringen. Diese Subjektivierung wirft die Frage auf, ob Maschinen ethische Entscheidungen treffen dürfen. Moralische Entscheidungen sind, anders als naturwissenschaftliche Erkenntnis, nicht rückhaltlos objektivierbar. Moralische Dilemmata lassen sich nicht durch millionenfache Online-Befragungen (Moral Machine) über die Summe der größten Ansammlung ähnlicher Urteile quasi objektiv lösen. Quantität ist niemals identisch mit moralischer Qualität. „Moral ohne Subjektivität ist keine Moral und Subjektivität ohne Moral keine Subjektivität. Moralische Urteile bestehen nicht nur aus Ergebnissen oder gar ‚Lösungen‘, sondern der Weg, der Akt der Entscheidung, ist selbst von größter Bedeutung“, betont Richard David Precht. „Die Maschinenethik verlangt, Maschinen nicht selbst ‚ethisch‘ zu programmieren, also Entscheidungen treffen zu lassen, die über Menschen richten. Ethisch mit Maschinen umzugehen ist das Gegenteil davon, sie ‚ethisch‘ zu programmieren.“ Welche Regel sollte ein Digitaler Kodex, den wir uns wie einen neuen Gesellschaftsvertrag erarbeiten müssen, angesichts der Möglichkeiten digitaler Technologien, so etwas wie eine „Hyper-Intelligenz“ zu erzeugen, festschreiben? Wie werden wir als Cyborgs, als hybride Kreaturen – nicht nur als Mischwesen aus Maschine und Organismus, sondern auch als Konstrukte, in denen individuelle wie gesellschaftliche Wahrnehmungen und Projektionen, Realitäten und Fiktionen miteinander verschmelzen – unser individuelles Leben wahrnehmen bzw. führen und wie die Gesellschaft mitgestalten?
Mit Arbeiten von Ursula Damm (DEU), Stefan Doepner (DEU/SLO), Adam Harvey (USA/DEU), Juliana Herrero (ARG/AUT), Linda Kronman (FIN), 3D #Additivism (Morehshin Allahyari (IRN) und Daniel Rourke (GBR)).

8.10., 18.00 Uhr, Live-Performance „Cyborg Synthesis – SensOrSense, Intrinsic |Radio| of the Computational“

Live-Performance im Rahmen des ORF musikprotokoll 2020. Valentina Vuksic (CHE/DEU), Reni Hofmüller (AUT).
Anmeldung: musikprotokoll.orf.at/service/registrierung/radio-cyborg-transmitter

Führungen

Nach Vereinbarung.